An der Schule Punktum ist es uns wichtig, Verhalten nicht vorschnell zu bewerten, sondern nach dem guten Grund dahinter zu fragen. Besonders Kinder mit belastenden Erfahrungen oder einem empfindsamen Nervensystem geraten in herausfordernden Situationen schnell unter Stress. Deshalb unterstützen wir sie dabei, ihre Reaktionen zu verstehen, Körpersignale wahrzunehmen, zu erarbeiten, was ihnen bei Überforderung hilft und wie sie damit konstruktiv umgehen können.
Gemeinsam beschäftigten wir uns in der Unterstufenklasse mit dem Bilderbuch Lilly, Ben und Omid. Die drei Kinder haben unterschiedliche und nachvollziehbare Gründe, weshalb es ihnen manchmal schwerfällt, in die Schule zu gehen. Anhand ihrer Geschichten erkannten die Kinder: Hinter jedem Verhalten stehen ein Gefühl, ein Bedürfnis und ein guter Grund. Ein Kind möchte nicht einfach «nicht zur Schule» – möglicherweise fühlt es sich unsicher, überfordert oder bedroht.
Das Bilderbuch erklärt die Vorgänge im Gehirn mit einprägsamen Bildern. Die Amygdala funktioniert wie eine innere Alarmanlage und wird durch ein Glöckchen dargestellt. Nimmt sie eine mögliche Gefahr wahr, weckt sie die «Echse». Der Körper bereitet sich blitzschnell darauf vor, zu kämpfen, zu fliehen, zu erstarren oder sich zurückzuziehen. Diese Alarmanlage kann auch dann anspringen, wenn aktuell keine wirkliche Gefahr besteht. Denken, Lernen und Sprechen sind in diesem Moment erschwert. Ein sicherer Ort, verlässliche Bezugspersonen und passende Möglichkeiten zur Beruhigung helfen dem Nervensystem, wieder Sicherheit zu finden.
Gemeinsam erarbeiteten die Kinder vier Listen. Sie helfen dabei, die eigenen Gefühle, Körperreaktionen und Bedürfnisse besser wahrzunehmen: Die rote Liste zeigt, was Stress auslöst, die innere Alarmanlage aktiviert, uns als Klasse nicht guttut. Die grüne Liste sammelt, was Sicherheit gibt und guttut. Auf der orangen Liste halten die Kinder fest, woran sie zunehmenden Stress erkennen und welche Signale der Körper sendet. Die blaue Liste enthält hilfreiche Strategien sowie Personen und Dinge, die in schwierigen Situationen unterstützen können. So lernen die Kinder, ihre Reaktionen besser zu verstehen, erste Anzeichen von Anspannung wahrzunehmen und rechtzeitig Unterstützung zu nutzen.